Zwenkau 05.05.2012

Zwenkau 05.05.2012
 
Der Förderverein Ostrock-Zwenkau e.V. feiert im laufenden Kalenderjahr sein 10-jähriges Bestehen. Was liegt da näher als dieses Jubiläum zünftig mit einem besonderen Konzert zu feiern. Schließlich ist der Verein mit der Planung, Organisation und Durchführung von glanzvollen Ostrock-Konzerten weit über die Stadtgrenzen von Zwenkau hinaus bekannt geworden. Auch wir hatten schon viel von den Enthusiasten in Sachen Ostrock aus der kleinen Stadt unweit von Leipzig gehört. Trotzdem hat es sich bisher irgendwie nicht ergeben, dass wir den Zwenkauern bei einer Mugge einen Besuch abstatten. Doch am 05. Mai des Jahres 2012 sollte sich das endlich ändern. Unsere Neugier und Vorfreude zugleich auf den Abend „KARUSSELL und Gäste – 10 Jahre Ostrock Zwenkau“ war nicht nur deshalb riesig
 
Mit Copilotin Lissi brachen wir vergnügt am späten Nachmittag auf und erlebten auf den 180 Kilometern Anfahrt zum Teil sintflutartige Regenfälle.   Es schien mal wieder so, als ob Petrus etwas gegen uns hätte. Da konnte einem ja angst und bange werden, als wir über die Autobahn fuhren und es plötzlich so dunkel wurde, dass an einem Rastplatz automatisch die Straßenlaternen angingen. Die Scheibenwischer konnten die plötzlich sturzbachartigen Wassermassen kaum bewältigen und wir schlichen minutenlang über das vor uns liegende graue Band der Autobahn. Aber wir gaben die Hoffnung nicht auf und außerdem hatte Oschek bei Facebook verkündet, dass die Veranstaltung überdacht stattfinden würde.
 
Wir erreichten Zwenkau und zeitweise besserte sich das Wetter. Vor dem Veranstaltungs-Gelände warteten schon geduldig die ersten Fans auf Einlass. Dass es sich dabei um aktive Mitglieder des KARUSSELL-Fanclubs AUTOSTOP handelte, überraschte uns nicht wirklich, denn rechtzeitiges Erscheinen sichert die besten Plätze vor der Bühne.
Das Konzert fand auf dem Gelände des Waldbades statt. Alles war bestens vorbereitet. Der Bereich für das Konzert war tatsächlich stabil überdacht sowie nach 3 Seiten auch vor Wind und Wetter geschützt. Vor dem offenen Eingangsbereich standen zwei Getränkewagen und etwas abseits gab es feste Nahrung vom Grill. Für das leibliche Wohl war also auch gesorgt.
Nach und nach trudelten weitere Besucher ein. Ein Schwätzchen hier, ein Bierchen da und schon war die Wartezeit hervorragend überbrückt.
 
Als Joe Raschke zum Intro ansetzte und seine Bandkollegen auf die Bühne kamen, hieß es fix einen Platz in vordersten Reihen sichern. Draußen regnete es schon lange wieder Bindfäden, aber wir wähnten uns sicher unter dem schützenden Dach. Nach dem instrumentalen „Als ich fortging“ und einer kurzen Begrüßungsansage von Joe ging es gleich voll zur Sache mit einem der für mich wichtigsten KARUSSELL-Lieder überhaupt. Es ist der Titelsong der ersten Langspielplatte. Schwermütige, dunkle und fast bedrohlich wirkende Moll-Akkorde stehen am Anfang dieses Liedes. Besonders die entfernt an Kirchen-Orgeln erinnernden Keyboards verstärken dieses Gefühl. Natürlich war es das kraftvolle Meisterwerk „Entweder oder“ mit dem wunderbaren Text aus der Feder von Kurt Demmler, das Reinhard „Oschek“ Huth in seiner unverwechselbaren Art sang. Da muss unsereiner schon mal kräftig durchatmen, wenn man dieses Stück wieder live hören darf.
„Mc Donald“, der nur seine Schafherde sowie das damit verdiente Geld im Kopf hat und dabei die holde Gattin vernachlässigt, war der nächste Klassiker.
 
Beim nächsten Lied „Rettet unsre Nacht“ hatte in Zwenkau wohl der Teufel seine Hand im Spiel, denn just als Joe Raschke den Refrain „Macht das Licht aus. Lasst den Mond raus. Rettet unsre Nacht. Stille Räume, bunte Träume sind für uns gemacht“ fiel die Anlage aus.
Doch die in vielen Konzerten kampferprobten KARUSSELLer ließen sich davon überhaupt nicht ins Bockshorn jagen. Joe schnappte sich das Megaphon, Benno trommelte und die Band sang kurzerhand a capella „Lieb ein Mädchen“. Als die Anlage wieder lief, ging es munter weiter. Inzwischen hatten die Veranstalter am Eingang mit dem Wasser zu kämpfen, es drückte aus einem Gully, lief in die Halle und hatte schon den Mischpultbereich erreicht. Doch die Zwenkauer haben fix improvisiert. Damit sich die Besucher keine nassen Füße holen, wurden fix Europaletten und eingeklappte Sitzbänke als Laufsteg gelegt. Wenig später rückte die Feuerwehr an und pumpte das Wasser rasch ab.
 
KARUSSELL spielte „Oben sein“, „Wer wenn nicht wir“, Lied für euch“ und noch ein paar Lieder, aber von den Gästen war weit und breit noch nix zu sehen und zu hören. Das Dutzend dürfte schon voll gewesen sein, als Wolf-Rüdiger Raschke den ersten Gast auf der Bühne begrüßte. Es war Eberhard Stolle, der den Fans von Blues und Boogie als Big Joe Stolle seit Jahrzehnten einheizt. Wenn er die Bluesharp spielt, bleibt kein Auge trocken. Joe Raschke erzählte zwischendurch, dass er viel von Big Joe gelernt hat. Davon konnten sich die Gäste gleich überzeugen, denn bei „Hoffnungslos uferlos“ vom aktuellen KARUSSELL-Album lieferten sich die beiden Joe’s ein tolles Mundharmonika-Duell. Mit „Dr. Blues“ und dem „Müllmann-Blues“ ging es weiter. Hier durften wir auch Big Joe’s rauhe Gesangsstimme bewundern. Beide Lieder hat er übrigens bereits in den achtziger Jahren mit der Band Zenit auf Platte veröffentlicht. Die Jungs von der Band gönnten sich danach eine kurze Pause. Stolle griff derweil zur E-Gitarre und spielte noch den „Muddy Waters Blues“.
 
KARUSSELL kehrte mit „Stern der Liebe“ zurück auf die Bühne. Beim nächsten Lied richteten sich natürlich meine Nackenhaare freudig erregt auf und Gänsehaut dürfte ich auch nicht zu knapp gehabt haben. Es ist so ein tolles Lied mit einem einfachen, verständlichen Text, der eigentlich alles über eine grundlegende und vernünftige Lebenseinstellung aussagt. Mich bringt das oft zum Grübeln. Warum halten sich manche Menschen nicht an diese Lebensmaxime „Ehrlich will ich bleiben, ehrlich will ich sein“, obwohl man sie auch schon bei KARUSSELL-Konzerten gesehen hat und sie „Ehrlich will ich bleiben“ mitsangen?
 
„Manchmal ist die Wahrheit doch recht abenteuerlich.
Ruhiger lebt der noch, der sie schön behält für sich.
Ach, lasst uns bauen hier der Wahrheit ein Zuhaus,
dass man am Ende sie gelassener spricht aus.“
 
Das KARUSSELL drehte sich geschwind 3 Runden weiter und dann gab es den nächsten Gast.
 
Eine sympathische junge Dame, betrat die Bühne und sie brachte gleich ihren Papa mit.
Sie ist KARUSSELL-Fan und die Tochter vom Gitarristen Hans Graf. Ich habe sie bei mancher Mugge getroffen und wusste bis Herbst letzten Jahres gar nicht, dass sie selbst Sängerin ist. Die Rede ist natürlich von Jasmin Graf.
Sie hat durch ihre beherzten Auftritte in der Castingshow „The Voice of Germany“ und durch ihre kräftige, gefühlvolle Gesangsstimme enorm an Popularität gewonnen. Ich verrate jetzt mal, dass ich erstmals in meinem Leben eine solche Fernsehsendung verfolgt habe. Mir gefiel, dass die junge Leipzigerin bei der Show zu großen Teilen auf deutsche Lieder zurückgegriffen hat und dass, sie den Mut hatte Jurymitgliedern auch mal zu widersprechen. Außerdem konnte man allgemein ihre Bescheidenheit spüren. Nun stand sie also vor uns auf der Bühne und interpretierte „Wie ein Fischlein unterm Eis“ Jasmin legte ihre Seele in das Lied und sie hat damit viele Menschen erreicht, auch mich. Die dezente Begleitung nur durch die E-Gitarre, das etwas langsamere Tempo als beim Original, Jasmins Gesang und ihre Ausstrahlung verschmolzen zu einer ganz eigenständigen, neuen Version dieses KARUSSELL-Hits. An dem Lied haben sich ja schon viele versucht und eigentlich kann mich sonst nur Oschek mit dem „Fischlein“ bis ins Mark treffen, aber das hier ging mir wirklich auch unter die Haut. Man fühlte einfach, dass die junge Leipzigerin diesen Song sehr liebt. Sie bedankte sich anschließend bei Reinhard Huth auch, dass sie sein Lied singen durfte. Gemeinsam mit der Band rockte Jasmin dann zu Rolling in the Deep“ von Adele. Als weiteres Highlight präsentierte sie solo an Wolf’s Keyboard „Stark“ von ICH und ICH.
 
Wir waren jetzt mittendrin im Gästeteil, denn als nächstes folgten Tino Standhaft und Norman Daßler mit ihren Gitarren und Akustikrock auf sehr hohem Niveau. Wunderschöne Gitarrenklänge breiteten sich in der Halle aus. Die beiden Saiten- Dazu hat Standhaft eine Stimme, die stark an Neil Young erinnert. Da ist es kein Wunder, dass er auch mit einem Neil Young-Programm durch die Lande tourt. Er ist sehr vielseitig, spielt solo, im Duo mit Daßler, aber auch mit Band tritt er auf. Dazu kommen noch diverse andere Projekte wie zum Beispiel das Programm Songs& Singers mit Jasmin Graf, Norman Daßler und Klaus Burkhard. Die beiden Gitarristen präsentierten in Zwenkau 3 Songs zu zweit und 3 mit Jasmin Graf. Das war wirklich ganz großes Kino für mich. Der absolute Knaller dabei war das von der Gruppe Lift bekannte Lied „Nach Süden“. Da stockte einem der Atem, die Kinnlade klappte mir runter und blieb da bis zum Ende des Liedes. Traumhaft, fast göttlich harmonierten die zwei exzellent gespielten akustischen Gitarren und Jasmins Gesang. Ich war sprachlos. Tino Standhaft war mir bisher nur von Berichten und Videos aus dem Internet bekannt, aber mit diesem Auftritt bei KARUSSELL & Gäste hat er sich auf meinem persönlichen Muggen-Wunschzettel jetzt endgültig sehr weit nach vorn geschoben.
 
Anschließend nahm KARUSSELL mit „Schlaraffenberg“ und „Sirene“ von der 3. Langspielplatte noch mal ordentlich Fahrt auf. „Autostop“ ist nicht einfach nur ein schönes Lied, sondern bei mir verbinden sich mit diesem Lied viele Erinnerungen. Als Jugendlicher stand ich auch oft am Straßenrand und hob den Daumen, um mitgenommen zu werden. Trampen oder per Anhalter fahren nannten wir das. Manchmal klappte das prima. Es gab aber auch die weniger erfolgreichen Tage, wie sie ihn „Autostop“ von KARUSSELL besungen wurden. Heute sieht man nur noch wenige Tramper, Mitfahrzentralen und ähnliches haben das Daumen heben abgelöst. Es sind eben andere Zeiten und auf den entsprechenden Portalen im Internet finden Suchende mit ein paar Klicks oft eine passende Mitfahrgelegenheit. Das ist sicher praktisch, aber ich beneide diese Leute nicht wirklich. Trampen war damals ein schönes Abenteuer.
 
Selbstverständlich wollten die Konzertbesucher noch mehr von KARUSSELL hören und viele von ihnen waren selig als dann endlich „Als ich fortging“ kam. Ein „Gelber Mond“ ging auch noch auf und dem Gauner „Whisky“ wurden ebenfalls von allen beteiligten Künstlern noch ein paar musikalische Worte ins Stammbuch gesungen. „Wer die Rose ehrt“, verbunden mit einem kurzen Gruß an Cäsar, war dann der absolut finale Song des Abends. Nach reichlich 3,5 Stunden verbeugten sich die ganzen Musiker mehrmals vor dem stark applaudierenden Publikum Dieses Konzert hat den Menschen vor, auf und hinter der Bühne gemeinsam unheimlich Spaß gemacht. Das liegt sicher auch daran, dass sich alle Künstler auf Augenhöhe begegnet sind und jeder dem anderem genug Spielraum ließ. Die Stars des Abends hießen also folgerichtig KARUSSELL & Gäste.
 
Bei der anschließenden Autogrammstunde herrschte wieder mal Hochbetrieb am Fanstand und die Musiker hatten alle Hände voll zu tun. Natürlich saßen auch Jasmin Graf, Big Joe Stolle und Tino Standhaft mit den KARUSSELLern in der Reihe und schrieben ihre Namenszüge auf Autogrammkarten, CDs usw.
 
Wenn Lissi und ich uns etwas wünschen dürften, wäre das eine Wiederholung dieser Veranstaltung oder Fortsetzung von KARUSSELL & Gästen mit anderen Kollegen bzw. Freunden im nächsten Jahr. Wir wären jedenfalls gerne wieder dabei ;-).
 
 
Dieser Bericht stammt von Gundolf Zimmermann.
 
Vielen Dank dafür!!!

Ersten Kommentar schreiben

Antworten

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.


*


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.